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 Betreff des Beitrags: Trauer braucht Zeit
#1Ungelesener BeitragVerfasst: 14. Dez 2015, 21:52 
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Wie der Verlust des Partners auf das Gehirn wirkt

Wer einen Partner durch Trennung oder Tod verliert, fällt nicht selten in Antriebslosigkeit und Depression. Wissenschaftler der Universität Regensburg konnten nun zeigen, dass der Verlust des Partners zu einer erhöhten Aktivität des Stresshormons CRF führt, das wiederum das Oxytocin-System fast völlig zum Erliegen bringt.

http://www.gesundheitsstadt-berlin.de/w ... irkt-7744/

_________________
Herzliche Grüße
Elke
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Sorgen von der Seele schreiben.
Erfahrungen miteinander austauschen.
Gegenseitig unterstützen, Mut machen und Trost spenden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#2Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 00:30 
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Zitat:
Zwar sind manche Psychiater der Meinung, dass ein Trauernder bereits depressiv ist, wenn er sich mehr als zwei Wochen nach dem Verlust des Partners noch in einem extremen Stimmungstief befindet.


Ich weiß, warum ich schon vor vielen Jahren in einem Zeitungsartikel geschrieben habe, dass der Großteil der Psychiater ihr Fach nur studiert hat, um ihre eigenen Störungen zu therapieren.
Mann, sind das Vollpfosten, die so einen Sch**ß schreiben!
Mir fehlt mein Mann wirklich schrecklich und mir laufen noch täglich in vielen Situationen die Tränen runter, da schäme ich mich nicht. Aber als depressiv würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen; wie das aussieht, hab ich im Bekanntenkreis leider schon mehrfach erlebt.
Zwei Wochen.......grrrrr Welch idiotische gefühllose Menschen schreiben sowas? Hach, ich reg mich gerade auf..... (ruuuuuhig Brauner.....)
LG Moni

_________________
Moni (JG 1954) pflegte Ehemann Hermann (JG 1936) Z.n.Schlaganfall 2004 nach absoluter Arrhythmie, von dem er sich aber gut erholte. Später kamen schwere Arthrose + extreme Schwerhörigkeit dazu. Ab Ende 2014 wurde er immer schwächer. Anf. Jan. 2015 TIA , als Folge PS 2. Am 22.03.15 wurde mir die Diagnose meines Mannes "inoperables Bronchialkarzinom" eröffnet, am 26.03.15 hab ich ihn vom Krankenhaus heimgeholt und am 27.03.15 ist er in seinem Bett friedlich eingeschlafen für immer.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#3Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 01:26 
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Wenn Psychiater der Meinung sind, das man nach zwei Wochen immer noch trauernd, depressiv ist, haben sie noch nie um einen Menschen getrauert. Trauer kann man nicht einfach abstellen.
Wenn die Fachleute recht hätten, dann wäre ich "reif" für die "Klappse", denn nach über
6 Jahren trauer ich immer noch um Axel. Trotzdem bin ich mit Sicherheit nicht depressiv.
Edda

_________________
pflegte meinen Mann Axel, 57 J., Krebs, Pflegestufe II, verstorben am 22.7.2009,
selber Brustkrebs im "grünen" Bereich, 50% Schwerbehinderung wegen Bandscheibenvorfall.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#4Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 01:47 
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Jeder Mensch hat das Recht so zu trauern, wie es
seinem Charakter entspricht.

Trauer brauch Zeit.

Und wenn ein Mensch eventuell sein Leben lang über
einen Verlust nicht hinwegkommt dann ist es so und
hat akzeptiert zu werden !!!

Jede andere Haltung, einem Menschen vorschreiben
zu wollen, was angeblich der Norm entspricht, käme
einer "Entmenschlichung" nahe und stuft die Gefühle
eines Menschen auf die Funktionsweise einer Maschine
herab.

Aber vielleicht ist es ja genau diese Entwicklung, die
unsere Gesellschaft Schritt für Schritt nimmt.

Eine vollkommen erschreckende Vorstellung !!!

Es ist schon schlimm, wie oft man mitbekommt, dass
beispielsweise in Firmen gesagt wird "nun stellen sie
sich mal nicht so an ... und nun trennen sie mal ihr
Privatleben von ihrer Arbeit"

Und dann gibt es ja auch noch so schöne Sätze wie
"Zeit heilt alle Wunden" oder "Das Trauerjahr ist um,
jetzt musst Du mal nach vorne schauen" oder "Nun ja
... so gehts uns allen, glaubst Du nur Dir geht es so?"

Sätze, die ich aus meinem Sprachgebrauch schon lang
verbannt habe.

Diese Sätze helfen niemandem und grenzen nur aus....
egal ob sie bewusst oder unbewusst geäussert werden

Und egal ob sie gut gemeint sind oder nicht.

Vielleicht ist es das einzige Recht, was ein Mensch sich
zugestehen darf ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen
.... das Recht auf seine Gefühle, auf seine Trauer und
seine Tränen.

Viele liebe Grüße .... Harald :handshake:

_________________
Papa Jahrgang 1926, seit 2009 Dialysepatient, seit 2011 Diagnose Alzheimer (Pflegestufe 1) am 20.Mai 2014 verstorben
Mama Jahrgang 1924, seit 1980 künstliche Herzklappe, seit 2010 Schrittmacher, Ende 2012 Diagnose altersbedingte Makuladegeneration (Pflege-Einstufung abgelehnt, da unser Staat der Meinung ist, eine Sehbehinderung oder Erblindung bzw. gesundheitliche Einschränkungen durch Herzerkrankung wären keine nachvollziehbaren Einstufungs-Gründe)am 1.März 2016 verstorben

Wenn Kinder zu Pflegern und Eltern zu Gepflegten werden kehrt sich alles um .... ist nichts mehr so wie es einmal war!!!
Wenn ich so über alles nachdenke kann ich nur noch traurig sein - traurig und wütend auf die Ungerechtigkeiten in unserem Land
....enttäuscht über einen Staat, der eigentlich die Schwachen schützen sollte !


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#5Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 05:20 
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"Heutige wissenschaftliche Erkenntnisse sind die Irrtümer von morgen."

Ich bin der Meinung, dass man nicht a l l e Geheimnisse lüften muss, nicht a l l e s erforschen muss, nicht
a l l e s erklären muss - sondern auch Manches einfach sein lassen darf, insbesondere, wenn es um Gefühle geht. Wenn heute z.B. viele Menschen von Nahtoderlebnissen und dem Schweben durch den "Tunnel" ins Licht erzählen, und Wissenschaftler dagegen halten, es handle sich lediglich um chemische Vorgänge im Gehirn, dann geht mir der Hut hoch - denn welche von beiden Ansichten ist wohl tröstlicher? Ist mir doch egal, ob ich chemische Reaktionen habe, die eine Halluzination auslösen, solang diese Halluzination so schön ist! Oder ob das Fehlen von Oxytocin bei mir durch den Verlust meines Partners zu Depressionen führt - es ist eine große Lücke entstanden! Man glaubt heute, alles mit irgendwelchen Mittelchen schnell kurieren zu müssen - dabei ist eine längere oder auch kürzere Zeit der Trauer ein Prozess, der durchlaufen werden muss, um daran zu wachsen. Es ist eine der vielen Aufgaben im menschlichen Leben, jedes Lebensprinzip lernend zu bewältigen - und dazu gehören nun mal auch Sterben, Tod und Verlust. Wir wachsen geistig an schwierigen Aufgaben - Lachen, Frohsinn Heiterkeit und Leichtigkeit sorgen für Pausen, in denen man sich von der schwierigen Seite des Lebens erholen kann. Alles hat seinen Sinn und seine Zeit, und wer sich dieser Philosophie des Annehmens und Durchlebens anschließt, wird letztlich zum/zur "weisen Alten", während manche Wissenschaftler mit ihren Theorien lediglich zu Fachidioten mutieren, deren Erkenntnisse möglicherweise hauptsächlich dazu dienen, ihnen ihre eigene Daseinsberechtigung zu bestätigen - zumal die Physik sich heute mit Dingen beschäftigt, die früher für paranormal und nicht fassbar gehalten wurden.

Vieles wird wissenschaftlich "gemessen" - Summen gleicher Ergebnisse zeitigen wissenschaftliche Erkenntnisse, die von folgenden neuen Erkenntnissen wieder über den Haufen geworfen werden, wobei es immer wieder zu Irrwegen kommt. Einer "beweist" etwas - ein anderer "beweist" das Gegenteil - wer blickt da wirklich durch?

Und wir kleinen, unwissenschaftlichen Würstchen hängen ab von Meldungen in allen Medien und versuchen und probieren, um dann meistens festzustellen: Irrtum. "Irrtum", sagte der Igel und stieg von der Scheuerbürste...

Das sind so meine Nachtgedanken, wenn ich hier schlaflos zu nächtlicher Stunde lese - denke, meine - und irre...
drum nehmt mich bitte nicht todernst :boss:

_________________
Barbara (69), pflegte meinen Mann(76), schwere angeborene Kyphoskoliose, 26 J. insulinpflichtiger Diabetes, St.p. OP/Hüftprothese nach Splitterbruch/Bein (2009) nicht lange belastbar, Normaldruck-Hydrocephalus/ohne Shunt, Neuropathie, Netzhaut-Membranen und Makula-Ödeme & - Degeneration, Alzheimer mit vasculärer Komponente/mittlere Stufe (Pflegestufe 4/Österreich), Schwindel unklarer Genese, Harninkontinenz, rechtes Knie dzt. mit Cortison behandelt, evtl. OP geplant (Implantat), Oktober 2016 Sturz/Hüftbruch/OP/Pneumonie, verstorben in Begleitung durch die Familie am 27.10.2016

Motti: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht!" & "Prinzip: Hoffnung!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#6Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 09:00 
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Edda hat geschrieben:
Wenn Psychiater der Meinung sind, das man nach zwei Wochen immer noch trauernd, depressiv ist, haben sie noch nie um einen Menschen getrauert. Trauer kann man nicht einfach abstellen.
Wenn die Fachleute recht hätten, dann wäre ich "reif" für die "Klappse", denn nach über
6 Jahren trauer ich immer noch um Axel. Trotzdem bin ich mit Sicherheit nicht depressiv.
Edda


Ich trauer fast 30 Jahre weil ich nie Zeit dafür hatte all das zu verarbeiten denn bei uns griff das Schicksal ständig zu. Wenn jemand glaubt man kann Trauer in Schubladen stecken dann gehört er da wohl eher selbst rein.Sogar Tiere trauern über längere Zeiträume. Das ist normal und gehört zum Leben ebenso wie fröhliches Lachen und gut drauf sein.Die Medizin kann sicher vieles aber nicht in unsere Seele schauen.

_________________
Liebe Grüße Grizi


Grizi und Harald 60J. + 62 J.- Harald hatte eine Hirnblutung 07 erlitten, Hemiplegie rechts, Aphasie, Pflegestufe 3 ,hat gute Fortschritte in den letzten Jahren gemacht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#7Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 13:05 
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Der Partner, der Elternteil, das Kind, die beste Freundin... der Mensch, um den man trauert, wird immer fehlen. Ich erlebe gerade, dass der Schmerz über den Verlust mal stärker, mal erträglicher ist. Dafür braucht jeder Zeit, immer mal wieder und es ist gut, wenn die Umgebung das akzeptiert, nicht drängelt, sondern am besten Verständnis zeigt.

Für mich ist Trauer aber auch eine sehr persönliche Sache, die ich nicht offensiv vor mir hertrage. Ich finde es ziemlich schwierig, mit Menschen umzugehen, die nicht bereit sind, sich relativ bald auch wieder zu öffnen.
Eine Bekannte von mir hat sich sehr intensiv um ihre 30 jahre ältere Freundin, meine Akkordeonlehrerin, gekümmert. Wir waren lange Zeit alle zusammen im Orchester und Ensemble, bis die Ältere krankheitsbedingt nicht mehr spielen konnte. Die beiden gab es immer und überall nur im Doppelpack und deshalb hörte dann auch die jüngere - obwohl eine sehr gute Spielerin, die eine Ausbildung für Dirigenten bis zur höchsten, für Laien erreichbaren Stufe absolviert hatte - dann auch mit allem auf und kümmerte sich nur noch um Erika. Erika starb mit knapp 80 Jahren kurze Zeit nach Kerstin. Claudia tauchte erst ein dreiviertel Jahr später wieder im Orchester auf - ausdrücklich nur auf Wunsch der verstorbenen Freundin - und verkündete im Vorfeld, dass sie auf keinen Fall irgendwie auf Erika angesprochen werden wollte. Bis heute beteiligt sie sich kaum an den üblichen, fröhlichen Pausengesprächen, sondern erwartet, dass sie nach wie vor wegen des Verlustes der Freundin wie ein rohes Ei behandelt wird.

Der Vater meiner Arbeitskollegin starb ziemlich zeitgleich mit meinem Vater. Seine Frau war damals 60 Jahre alt, zehn Jahre jünger als meine Mutter. Meine Eltern waren knapp 50 Jahre verheiratet und hatten immer alles zusammen gemacht. Obwohl eigentlich eher zurückhaltend, raffte meine Mutter sich auf, ging aus dem Haus und in der neuen Wohnung in der Altenwohnanlage auch auf die neuen Nachbarn zu. In ihrem Waschgemeinschafts- Bastel-Geburtstagskaffetrink-Klönkreis hatte sie sehr viel Spaß und war in den letzten Jahren die einzige, die Sylvesterfeiern besuchte. :dfbgirliezwinkern: Ihre nie endende Trauer sah man nur, wenn man sich die Mühe machte, das stets mit frischen Blumen geschmückte Grab zu beachten. Die Mutter meiner Arbeitskollegin igelt sich in ihrer Wohnung ein, vergrauelte auch das befreundete Nachbarsehepaar, weil die auch mal eigene Sorgen zur Sprache brachten, und verlangte, dass die Tochter regelmäßig am Wochenende zur Stelle war und die Trauer teilte. Alle Versuche, die Mutter zu neuen schönen Erlebnissen zu motivieren, misslangen. So ist sie bis heute - knapp 20 Jahre lang - nur "trauernde Witwe"
Sind solche Untersuchungsergebnisse dann nicht eher tröstlich?
Zitat:
Wenn wir wissen, dass das Gehirn durch den Verlust auch chemisch aus den Fugen geraten ist, kann dies auch die Überzeugung stärken, dass sich der Stoffwechsel nach einiger Zeit wieder normalisiert und die Depression nachlässt. Die Studie zeigt auch, dass es wichtig ist, sich nach einem Verlust so viele gute Gefühle wie möglich zu verschaffen – auch wenn es manchmal völlig unpassend scheint. Aber nur so kann die Übertragung wichtiger Botenstoffe wieder aktiviert und den Stresshormonen entgegengewirkt werden.


Was sagen wir Neuankömmlingen hier gern? Das Forum soll auch ein Platz für schöne Erlebnisse, die es während der Pflege ja auch gibt, sein. Ich habe erlebt, dass es die in der Trauer auch gibt, wenn man sie zulässt. Es rührt mich z.B. immer wieder, wie selbstverständlich mir Kerstins Freundinnen Kerstins Platz in ihrer Mitte überlassen haben und wie selbstverständlich Kerstin nicht immer aber immer wieder mal Teil der Gespräche ist. Ob das auch so wäre, wenn ich auch nach längerer Zeit stets mit Tränen in den Augen auf die Erwähnung von Kerstins Namen reagiert hätte?

Daher - ja - Trauer braucht Zeit, die für jeden unterschiedlich ist. Aber nach nicht zu langer Zeit sollte man fähig sein, wenigstens zeitweise "aufzutauchen" oder aber dann doch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Grüße

Maria

_________________
Ich (08/50) kümmerte mich um meine Tochter (01/72, verstorben 05/14, MS, Pflegestufe 3), die mit 24 Stunden-Assistenz finanziert durch ein persönlichen Budget nach dem Arbeitgebermodell in ihrer eigenen Wohnung lebte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#8Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 15:04 
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Aber nach nicht zu langer Zeit....
Und genau DA liegt der Hase im Pfeffer....von welchem Zeitraum sprechen wir?

Keine zwei Monate nach der Beisetzung meines Mannes stand schon in meinen Geburtstagskarten, dass ich nun ja mein Leben genießen soll/könne....wie dumm und/oder gedankenlos ist DAS denn? Ich habe es als einfach nur schlimm empfunden.
Sowas darf mir vielleicht ein GANZ nahestehender Mensch unter 4 Augen mal sagen, aber sowas von flüchtigen Bekannten in einer Karte zu lesen empfand ich eigentlich als Beleidigung. So quasi, sei froh, dass Du Hermann nicht mehr pflegen musst und er tot ist - auf ins Getümmel. Genauso kam es rüber. Da hat jedes Kind mehr Mitgefühl.
Meine 9jährige Enkelin zupfte mich einige Wochen nach der Beerdigung mal beim Einkaufen vorsichtig am Arm:"Du Oma.....nicht böse sein....aber weißt du, was mir gerade einfällt? Jetzt kannst du zum Essen einkaufen, was DU willst...." Dabei schaute sie mich verlegen lächelnd, aber ganz lieb an. Sie hatte ja lange genug mitbekommen, wie schwierig es im letzten Jahr war, für meinen Mann noch was zum Essen zu finden, was er mochte.
Ich stand mitten im Laden, musste richtig schmunzeln, wenn auch mit plötzlich feuchten Augen.

Ja ich habe mich schon auch über Anrufer gefreut, die einfach mal fragten, wie es mir geht und ob ich jemanden zum Reden brauche - deswegen habe ich ja kein "Mittrauern" eingefordert.
Bin ja auch mit meiner Enkelin auf den Rummel gegangen und zu anderen Dorf-Festen hier in der Nähe. Bin einfach dahin, wo ich dachte, das könnte mir guttun. Zweimal in Urlaub war ich auch - also ich denke mal, ich mache sicher vieles, um mich aus dem Loch wieder hochzustrampeln.
Aber fehlen tut mir mein Schatz halt jeden Tag - auch noch nach acht Monaten. Und wann das "besser" wird? Keine Ahnung, das sitze ich einfach mal aus.
LG Moni

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Moni (JG 1954) pflegte Ehemann Hermann (JG 1936) Z.n.Schlaganfall 2004 nach absoluter Arrhythmie, von dem er sich aber gut erholte. Später kamen schwere Arthrose + extreme Schwerhörigkeit dazu. Ab Ende 2014 wurde er immer schwächer. Anf. Jan. 2015 TIA , als Folge PS 2. Am 22.03.15 wurde mir die Diagnose meines Mannes "inoperables Bronchialkarzinom" eröffnet, am 26.03.15 hab ich ihn vom Krankenhaus heimgeholt und am 27.03.15 ist er in seinem Bett friedlich eingeschlafen für immer.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#9Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 15:48 
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bemolle hat geschrieben:
Daher - ja - Trauer braucht Zeit, die für jeden unterschiedlich ist. Aber nach nicht zu langer Zeit sollte man fähig sein, wenigstens zeitweise "aufzutauchen" oder aber dann doch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Und für die psychologische Hilfe nicht schämen müssen.

Der Tod geliebter Menschen reißt ein Loch in das Leben der Hinterbliebenen. Manche trauern nur ein paar Wochen, bei anderen hingegen dauert es Jahre. Und ich denke, Die Trauerphase hängt davon ab, wie eng oder kompliziert die Beziehung zum Verstorbenen war und wie unerwartet der Tod eingetreten ist. Ich denke beim 90-jährigen Vater trauert man anders als beim z. B. 15-jährigen Kind.

bücherwurm hat geschrieben:
Ich weiß, warum ich schon vor vielen Jahren in einem Zeitungsartikel geschrieben habe, dass der Großteil der Psychiater ihr Fach nur studiert hat, um ihre eigenen Störungen zu therapieren.
Mann, sind das Vollpfosten, die so einen Sch**ß schreiben!


Ein Psychiater mit eigene Störungen, der Sorgen, Krankheit selbst erlebt hat ist mir lieber als ein Arzt der nie ähnliches erlebt hat. Ich habe früher oft vor Studenten gesprochen, ein Chefarzt sagte mir damals, er erinnert sich noch gut an seinen 1. Fall .... und wie wichtig es ist, Wissen nicht nur aus Lehrbüchern zu bekommen.

Und auch wir hier im Forum wenden uns doch an Menschen, die Pflege erlebt haben
und sagen immer wieder das tut gut. Es einfacher ist, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliches erlebt haben.


Edda hat geschrieben:
Wenn Psychiater der Meinung sind, das man nach zwei Wochen immer noch trauernd, depressiv ist, haben sie noch nie um einen Menschen getrauert. Trauer kann man nicht einfach abstellen.
Wenn die Fachleute recht hätten, dann wäre ich "reif" für die "Klappse", denn nach über
6 Jahren trauer ich immer noch um Axel. Trotzdem bin ich mit Sicherheit nicht depressiv.
Edda

In dem Artikel ist auch nicht von allen Psychiatern die Rede, sondern es gibt Psychiater ........ warum werden Depression oder andere psychische Erkrankungen immer wieder in Zusammenhang mit der ist "verrückt", der gehört in die "Klappse" in Zusammenhang gebracht.

Edda, freue mich, dass du mit Sicherheit nicht depressiv bist.
Dann ist das Antidepressiva das du seit Jahren nimmst, wohl die Richtige Medikation gewesen.
Wenn es dir so gut geht, hast du schon einmal mit dem Arzt gemeinsam überlegt, das AD abzusetzen?



Links für Trauernde:

http://www.veid.de und http://www.leben-ohne-dich.de - für Eltern, die ein Kind verloren haben

http://www.initiative-regenbogen.de und http://www.stillgeboren.de - für Eltern, die ihr Kinder in der Schwangerschaft oder bei der Geburt verloren haben

http://www.verwitwet.de - für Menschen, die einen Partner verloren haben

http://www.agus-selbsthilfe.de - für Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben

http://www.allesistanders.de - für junge Menschen, die jemand für sie Wichtiges verloren haben

http://www.anuas.de - für Angehörige, die einen nahen Menschen durch Gewalt verloren haben

_________________
Herzliche Grüße Elke
Elke (10/44) und Gerd (07/56)
Hirnblutung nach SHT 1995, Insult, hirnorganisches Psychosyndrom , Anosognosie, Hemiplegie rechts, schwere Globalaphasie mit buccofacialer Apraxie, Sprechapraxie, Anarthrie, rechtsbetonte Facialisparese und Dysphagie, Epilepsie, PG 5, pflege zu Hause.

~~~~~~~~

Ich schreibe im Forum von meinen eigenen Erfahrungen und diese müssen nicht zwangsläufig richtig sein.
Gebe ich Tipps, dann muss denen keiner Folge leisten wenn er sie nicht für richtig hält oder andere Ansichten hat.
Meine Beiträge sind als Anregung gedacht, haben aber keinen Anspruch auf Rechtsgültigkeit
.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#10Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Dez 2015, 16:54 
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Maria ich muss dir in allem Recht geben. Ich habe mich bewust nicht vom Leben abekapselt.
Nur brauche ich keine Angst haben dass mich jemand wegen Anton anspricht. Leider kommt es mir so vor als ob er für Andere einfach weg ist. Er wird nicht erwähnt. Nur eine redet von ihm ganz normal.

Moni so Aussgen bekam ich auch. Hast es jetzt ja leichter und einfacher. Was wissen die denn schon.
Die LGin von Sohn meinte nach 2 Monaten jetzt kannst schon mal anfangen den Schrank von Anton auszuräumen. Was soll ich sagen das fällt mir überhaupt nicht ein. Ich muss es nicht, da ich ja im eigenen Haus wohne und keine Wohnung frei machen oder sonst was muss.

Ich traure solange ich einfach traurig bin. Ich trage ja meine Trauer nicht zur Schau. Geht keinen war an.
MIr wurde ja schon gleich am Anfang von 2 Frauen auch verwitwet gesagt dass es sehr lange dauert.

Viele Grüße Marianne


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#11Ungelesener BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 00:04 
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Zitat:
Wenn es dir so gut geht, hast du schon einmal mit dem Arzt gemeinsam überlegt, das AD abzusetzen?

Elke, das hatte ich schon auf ein Minimum herabgesetzt, aber die Sorgen im letzten Jahr hatten das wieder zunichte gemacht. Mittlerweile lasse ich es auch wieder ausschleichen.
Zitat:
Was sagen wir Neuankömmlingen hier gern? Das Forum soll auch ein Platz für schöne Erlebnisse, die es während der Pflege ja auch gibt, sein. Ich habe erlebt, dass es die in der Trauer auch gibt, wenn man sie zulässt.

Maria, da hast Du recht. Ich habe der Familie und Freunden gleich gesagt, das sie in meinen Beisein immer über Axel sprechen dürfen, dadurch kamen immer mehr überwiegend die schönen Zeiten zur Sprache und die schlimme, letzte Zeit rückte immer mehr in den Hintergrund. Das hat mir mehr geholfen, als wenn man es vermieden hätte, von/über Axel zu sprechen.
Zitat:
Der Tod geliebter Menschen reißt ein Loch in das Leben der Hinterbliebenen. Manche trauern nur ein paar Wochen, bei anderen hingegen dauert es Jahre. Und ich denke, Die Trauerphase hängt davon ab, wie eng oder kompliziert die Beziehung zum Verstorbenen war und wie unerwartet der Tod eingetreten ist. Ich denke beim 90-jährigen Vater trauert man anders als beim z. B. 15-jährigen Kind.

Elke, stimmt... Als mein Vater jetzt mit 92 Jahren starb, habe ich auch um ihn getrauert, aber anders, wie um meine Mutter, die mit knapp 46 Jahren starb. Obwohl es damals üblich war, konnte ich meine damalige Schwiegermutter nicht mit "Mutter" ansprechen, obwohl sie wirklich eine Liebe war. Ich persönlich mag das Wort "Trauerphase" nicht, denn in meinen Augen kann man den Tod eines geliebten Menschen nicht als "Phase" einstufen. Außerdem würde ich auch nach einiger Zeit, das Wort "Trauer" in "traurig" umwandeln. Traurig, weil die Mutter uns nicht weiter begleiten konnte, traurig, weil wir mit dem Partner nicht mehr gemeinsam durchs Leben gehen können......
Den Verlust eines Kindes schließe ich jetzt dabei aus, denn da wird es zwar auch keine Trauerphase geben, sondern die Trauer wird immer bleiben.
Edda

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#12Ungelesener BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 00:41 
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Außerdem würde ich auch nach einiger Zeit, das Wort "Trauer" in "traurig" umwandeln. Traurig, weil die Mutter uns nicht weiter begleiten konnte, traurig, weil wir mit dem Partner nicht mehr gemeinsam durchs Leben gehen können......

Eine sehr sehr gute Formulierung - gefällt mir gut, kann ich nachvollziehen.
LG Moni :gern:

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