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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#13Ungelesener BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 14:32 
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Und dann gibt es ja auch noch so schöne Sätze wie
"Zeit heilt alle Wunden" oder "Das Trauerjahr ist um,
jetzt musst Du mal nach vorne schauen" oder "Nun ja
... so gehts uns allen, glaubst Du nur Dir geht es so?"
...
egal ob sie bewusst oder unbewusst geäussert werden

Und egal ob sie gut gemeint sind oder nicht.
....


Lieber Harald und auch liebe "alle anderen"

mich betrifft das Thema ja leider auch (immer noch) sehr direkt und deshalb habe ich gerade über diese Sätze lange nachgedacht.

Ich habe so mit der Zeit mitbekommen, dass sehr viele Menschen - viel mehr als ich jemals dachte und viel mehr als es von den äußeren Lebensbedingungen her von "außen" zu vermuten war - mit Antidepressiva versorgt sind.

Ich dachte immer, Depressionen sind eine ernsthafte Erkrankung, die nicht unbedingt einen Auslöser wie Trauer braucht, sich aber in Antriebslosigkeit und der Unfähigkeit, selbst Schritte zur Änderung (und sei es nur die zum Arzt) zu unternehmen, äußert.
und die man eben auch in den Stoffwechselfunktionen des Gehirns feststellen kann
Inzwischen habe ich fast das Gefühl, dass ein Rezept für Antidepressiva als "Beweis" dafür gilt, dass man wirklich echte, große Sorgen hat. Eine dieser Sorgen ist dann auch mal Trauer. Und auch die scheint nur "groß und echt" zu sein, wenn keiner mit irgendwelchem Zuspruch helfen kann, sie sichtbar lange dauert und/oder durch Medikamente abgemildert werden muss.

Ich glaube das nicht! Ich glaube, dass man da durch muss! Und ich glaube, dass es wie bei Krankheiten ist: nicht immer ist Medizin und/oder endlose Rücksicht auf - in diesem Fall - endlose "Trauerarbeit" das richtige Mittel.

Wenn jemand unter Herzbeschwerden und zu hohem Blutdruck leidet - ist es dann richtig, voller Verständnis für die Beschwerden jede Aufregung, jede Auseinandersetzung, jede Anforderung fernzuhalten? Oder ist es nicht doch besser, liebevoll darauf zu bestehen, dass die Sportgruppe besucht wird, dass auch ein Kranker alltag erleben kann - eben ein "so gehts uns allen, glaubst Du nur Dir geht es so?"

Ich glaube, dass es eben doch darauf ankommt, von wem, wie und warum die Sätze, die Harald zitiert hat, gesagt werden. Von dem Chef, der einfach nur will, dass alle reibungslos funktionieren oder den Bekannten, denen es lästig ist, sich auf traurige Gefühle einzulassen, möchte ich das auch nicht hören. Aber wenn die Freundin, die mich in Gesprächen und zum Friedhof begleitet, mir auch mal mit solchen Sätzen die "Leviten liest", damit ich nicht in Traurigkeit versinke und auch nicht vergesse, dass ich nicht allein auf der Welt bin, dann finde ich das mutiger und freundschaftlicher, als wenn sie mich immerzu schont, weil Trauer Zeit braucht.

Ich möchte einfach nicht vergessen, dass es "unter jedem Dach ein ach" gibt, dass auch andere Probleme haben und ich nicht allein auf der Welt bin. Egal ob Trauer oder schwere Krankheit oder... ich denke, es hilft, wenn man auch nach rechts und links schaut.
Für mich jedenfalls war das Schreiben hier im Forum eine der besten Hilfen. Es sind Tränen geflossen - und fließen machmal immer noch, wenn ich Kerstins alte Hilfsmittel heraussuche und daran denke, wie wichtig Deckenlifter und Stehrolli waren, aber schön, wenn jemand dann einen Hinweis hat, wo er für sich suchen kann.
Eine Foristin haben wir verloren, weil sie genau dass nicht konnte, weil sie ihre Sorgen, von denen sie eigentlich hätte wissen können, dass andere ähnliches erleben, für so einmalig hielt, dass sie sogar glaubte, wir könnten uns nicht mal vorstellen, was ihr geschieht. Wenn ich jemals so nur um mich kreisen sollte, dann wünsche ich mir von allen Seiten ein Stop! Es geht nicht nur dir so!


"Zeit heilt alle Wunden" oder "Das Trauerjahr ist um,
jetzt musst Du mal nach vorne schauen"

mag herzlos klingen, aber es sind auch Sätze, die es nicht erst seit gestern gibt und die auch die Erfahrungen vieler Menschen vor uns zusammenfassen. Es ist ja nicht damit gemeint, dass der verlorene Mensch nicht mehr fehlt. Aber das Leben ist so kurz und kostbar, dass man so viel Schönes wie es geht zulassen sollte. Vielleicht ist es besser, sich das von einem lieben Menschen als Ziel am Ende des Tunnels, das man selbst noch nicht sehen kann, sagen zu lassen, als die Ohren vor "Sprüchen" zu verschließen und auf Medikamente gegen die Traurigkeit zurückzugreifen. Die sollten den wirklich Erkrankten, gut eingestellt von Ärzten in psychologischen Praxen und Kliniken, vorbehalten bleiben.

Liebe Grüße

Maria

_________________
Ich (08/50) kümmerte mich um meine Tochter (01/72, verstorben 05/14, MS, Pflegestufe 3), die mit 24 Stunden-Assistenz finanziert durch ein persönlichen Budget nach dem Arbeitgebermodell in ihrer eigenen Wohnung lebte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#14Ungelesener BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 14:56 
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Edda hat geschrieben:
Ich persönlich mag das Wort "Trauerphase" nicht, denn in meinen Augen kann man den Tod eines geliebten Menschen nicht als "Phase" einstufen. Außerdem würde ich auch nach einiger Zeit, das Wort "Trauer" in "traurig" umwandeln. Traurig, weil die Mutter uns nicht weiter begleiten konnte, traurig, weil wir mit dem Partner nicht mehr gemeinsam durchs Leben gehen können......

Vielleicht ein wenig unglücklich formuliert von mir.
Was aber ist der Unterschied zwischen "Trauer" und "traurig sein"?

Ist Trauer eine ins Gedächtnis einbrechende Erinnerung an einen verstorbenen Menschen, der Schwall an gemeinsamen Augenblicken, die man mit ihm hatte, die einen mit ihm verbinden.
Ist Trauer das persönliche Band das zwischen dem Menschen gespannt wurde und nun durchschnitten ist.
Kann Trauer nur von Menschen geleistet werden, die dem Verstorbenen nahe standen, die dessen Denkweise, dessen Interessen kannten.

Der Tod eines Unbekannten, macht sicherlich traurig - das ist nur menschlich.
Wie es mir auch ergeht, wenn mir hier im Forum der Tod eines Angehörigen herangetragen wird.
Dann kann man ein Weilchen traurig sein, landet deswegen aber nicht im tiefen Tal der Trauer, aus dem man üblicherweise erst nach Monaten oder gar Jahren wieder heraus steigt.

Im Gegensatz zur Krankheit Depression ist Traurigkeit ein Gefühl und die Trauer eine normale Reaktion auf einen schweren Verlust oder Schicksalsschlag.

Die eigene Gefühlslage wird bei Trauer für "normal" gehalten. Bei einer krankhaften depressiven Störung wird dagegen die Verstimmung nicht nur als quälend, sondern auch als fremd und unlösbar erlebt und empfunden als ein „nicht Können trotz Wollen“.

Ich kenne eine Frau die von ihrem Vater missbraucht und misshandelt wurde. Als er starb (liegt schon 35 Jahre zurück), hat getrauert. Sogar - wie es damals noch üblich war - schwarze Kleidung getragen. Diese Trauer mündete in eine Depression und Bulimie, konnte sie doch endlich alles herauskotzen, was sie jahrelang verschweigen musste.
Sie hat getrauert über den verlorenen Vater.

Jetzt werdet ihr bestimmt sagen, das ist ein Einzelfall.
Das glaube ich nicht.
Ich kenne viele Ehepaare die sich gestritten, gezankt haben und geschimpft haben,
dann in tiefe Trauer verfallen sind.
Ich weiß aus nächster Nähe, von einer Frau die nur geschimpft hat, ihr Mann sei zu nichts fähig, einen Handwerker hätte sie gerne und als er starb hat sie getrauert
oder war das in diesem Fall nur Selbstmitleid?

Weiß gar nicht ob das Thema hier an dieser Stelle noch passend ist :girlverbeug:

_________________
Herzliche Grüße Elke
Elke (10/44) und Gerd (07/56)
Hirnblutung nach SHT 1995, Insult, hirnorganisches Psychosyndrom , Anosognosie, Hemiplegie rechts, schwere Globalaphasie mit buccofacialer Apraxie, Sprechapraxie, Anarthrie, rechtsbetonte Facialisparese und Dysphagie, Epilepsie, PG 5, pflege zu Hause.

~~~~~~~~

Ich schreibe im Forum von meinen eigenen Erfahrungen und diese müssen nicht zwangsläufig richtig sein.
Gebe ich Tipps, dann muss denen keiner Folge leisten wenn er sie nicht für richtig hält oder andere Ansichten hat.
Meine Beiträge sind als Anregung gedacht, haben aber keinen Anspruch auf Rechtsgültigkeit
.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#15Ungelesener BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 16:13 
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Weiß gar nicht ob das Thema hier an dieser Stelle noch passend ist :girlverbeug:

Ich finde, ja

Ist Trauer eine ins Gedächtnis einbrechende Erinnerung an einen verstorbenen Menschen, der Schwall an gemeinsamen Augenblicken, die man mit ihm hatte, die einen mit ihm verbinden.
Ist Trauer das persönliche Band das zwischen dem Menschen gespannt wurde und nun durchschnitten ist.
Kann Trauer nur von Menschen geleistet werden, die dem Verstorbenen nahe standen, die dessen Denkweise, dessen Interessen kannten.


Das ist sicher richtig - und meiner Meinung nach auch die Grundlage für "die Zeit heilt alle Wunden". Denn zuerst erlebt man so viele erste Male ohne... Bei jedem schönen Erlebnis denkt man sofort, "das wäre auch etwas für (bei mir) Kerstin gewesen" oder aber "das hätte sie sowieso nicht mitmachen können". Diese Gedanken kommen immer wieder, aber es gibt eben mit der Zeit viele neue Erinnerungen, in denen sie nicht mehr vorkommen konnte. Die seelische Verbindung bleibt, aber die ganz praktische Verbundenheit wird dünner - wenn ihr versteht, was ich meine.

....
Ich kenne eine Frau die von ihrem Vater missbraucht und misshandelt wurde. ...
Sie hat getrauert über den verlorenen Vater.
....

Ich weiß aus nächster Nähe, von einer Frau die nur geschimpft hat, ihr Mann sei zu nichts fähig, einen Handwerker hätte sie gerne und als er starb hat sie getrauert


Vielleicht ist Trauer besonders ( im Sinne von anders), wenn es Dinge gibt, die man "eigentlich" noch hätte erfahren, klären, bereinigen wollen und von denen man nun weiß, dass sie für immer offen bleiben werden und es nur den Weg gibt, einen eigenen Umgang damit zu finden.

Grüße

Maria

_________________
Ich (08/50) kümmerte mich um meine Tochter (01/72, verstorben 05/14, MS, Pflegestufe 3), die mit 24 Stunden-Assistenz finanziert durch ein persönlichen Budget nach dem Arbeitgebermodell in ihrer eigenen Wohnung lebte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#16Ungelesener BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 22:08 
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Elke hat geschrieben:
Ich weiß aus nächster Nähe, von einer Frau die nur geschimpft hat, ihr Mann sei zu nichts fähig, einen Handwerker hätte sie gerne und als er starb hat sie getrauert
oder war das in diesem Fall nur Selbstmitleid?


Liebe Elke,

oft ist es so, dass man das Negative verdrängt. Es werden nur noch Dinge gesehen, die positiv waren, selbst
wenn sie Jahrzehnte zurückliegen.
Auch ich habe sehr oft über meinen Vater geschimpft und ich habe sehr sehr lange getrauert.

Es ist einfach dieses: Nie mehr...

_________________
Liebe Grüße Tina
Vater (11/30) Magen-Op nach Billroth 2, Diabetes Typ 1, Lymphdrüsenkrebs seit 2009,(nach Schlaganfall am 10.08.2011 verstorben)
Mutter (12/33) Chron.Vorhofflimmern, Mitralinsuffizienz, Tricuspidalklappeninsuffizienz, Marcumar, arterielle Hypertonie, Diabetes Typ 2

Es gibt keine Zufälle, alles hat seinen Sinn und Zweck


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#17Ungelesener BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 23:21 
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Zitat:
Vielleicht ein wenig unglücklich formuliert von mir.
Was aber ist der Unterschied zwischen "Trauer" und "traurig sein"?

Ist Trauer eine ins Gedächtnis einbrechende Erinnerung an einen verstorbenen Menschen, der Schwall an gemeinsamen Augenblicken, die man mit ihm hatte, die einen mit ihm verbinden.
Ist Trauer das persönliche Band das zwischen dem Menschen gespannt wurde und nun durchschnitten ist.
Kann Trauer nur von Menschen geleistet werden, die dem Verstorbenen nahe standen, die dessen Denkweise, Interessen kannten.

Elke, eigentlich schlecht zu erklären, was da der Unterschied ist, vielleicht so, Trauer empfinde ich, weil ich den geliebten Menschen verloren habe, traurig bin ich auch noch nach vielen Jahren, das dieser Mensch mich nicht weiterhin begleitet hat.
Genauso kann ich um einen Menschen trauern, zudem kein persönliches Band bestand. Es können Menschen sein, die man zwar nur flüchtig kannte, sie aber mochte. Traurig bin ich dann, wenn ich dann an die Hinterbliebenen denke, die ich vielleicht überhaupt nicht kann, aber weiß, wie sie sich jetzt fühlen.
Zitat:
....
Ich kenne eine Frau die von ihrem Vater missbraucht und misshandelt wurde. ...
Sie hat getrauert über den verlorenen Vater.
....
Ich weiß aus nächster Nähe, von einer Frau die nur geschimpft hat, ihr Mann sei zu nichts fähig, einen Handwerker hätte sie gerne und als er starb hat sie getrauert.

Natürlich hat die Tochter getrauert, aber um den Vater, den sie leider nie hatte. Bei der Frau sehe ich es anders, wahrscheinlich hat sie für die "Leute" getrauert.
Eins steht fest, jeder geht anders mit seiner Trauer/Traurigkeit um.
Edda

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pflegte meinen Mann Axel, 57 J., Krebs, Pflegestufe II, verstorben am 22.7.2009,
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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#18Ungelesener BeitragVerfasst: 16. Dez 2015, 23:38 
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Liebe Elke, ich musste gerade schmunzeln...
Ich weiß aus nächster Nähe, von einer Frau die nur geschimpft hat, ihr Mann sei zu nichts fähig, einen Handwerker hätte sie gerne und als er starb hat sie getrauert
oder war das in diesem Fall nur Selbstmitleid?
Ich traf auf dem Friedhof kürzlich eine Bekannte- unsere Männer waren früher viel in Kontakt und was hat die über ihren Mann bei Lebzeiten gemeckert, weil er auch so ein "Jäger und Sammler" wie mein Mann war. Ich hab immer grinsend zu ihr gesagt, was regen Sie sich auf, das bringt doch eh nix, die machen doch eh, was sie wollen.
Sie wollte auch nicht hören, wenn ich erzählte, dass mich das Chaos meines Mannes auch nicht erfreut, aber ich doch auch sehr froh darüber war, während unserer gesamten Ehe NIE einen Handwerker gebraucht zu haben, weil mein Mann einfach alles konnte. Ihrer war ja auch sehr geschickt - aber - sie meckerte alle Argumente weg....
Nu rennt se seit über einem Jahr komplett in schwarz dauernd auf den Friedhof und jammert, weil sie alleine ist......Ich denke, das ist auch eine Portion Selbstmitleid.
Nein - ich selber tu mir sicher nicht leid. Mir tut es weh, dass uns nicht noch ein paar Jährchen gegönnt waren - nächstes Jahr die Kommunion seiner geliebten Enkelin....sein 80. Geburtstag war schon geplant....darüber bin ich traurig - und fehlen tut er mir schon sehr - seine Sprüche, sein Lachen - einfach er.
LG Moni

_________________
Moni (JG 1954) pflegte Ehemann Hermann (JG 1936) Z.n.Schlaganfall 2004 nach absoluter Arrhythmie, von dem er sich aber gut erholte. Später kamen schwere Arthrose + extreme Schwerhörigkeit dazu. Ab Ende 2014 wurde er immer schwächer. Anf. Jan. 2015 TIA , als Folge PS 2. Am 22.03.15 wurde mir die Diagnose meines Mannes "inoperables Bronchialkarzinom" eröffnet, am 26.03.15 hab ich ihn vom Krankenhaus heimgeholt und am 27.03.15 ist er in seinem Bett friedlich eingeschlafen für immer.


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#19Ungelesener BeitragVerfasst: 17. Dez 2015, 01:23 
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Zitat:
Nein - ich selber tu mir sicher nicht leid. Mir tut es weh, dass uns nicht noch ein paar Jährchen gegönnt waren - nächstes Jahr die Kommunion seiner geliebten Enkelin....sein 80. Geburtstag war schon geplant....darüber bin ich traurig - und fehlen tut er mir schon sehr - seine Sprüche, sein Lachen - einfach er.

Genau das meine ich mit "Traurigkeit" und sehe darin den Unterschied zwischen Trauerphase und "traurig". Ich bin heute noch traurig darüber, das meine Mutter niemals Axel und ihre Urenkel kennenlernen durfte, Axel seine Enkel nicht aufwachsen sieht. Es gibt noch viele Beispiele, schöne Momente, die wir erleben, aber unsere Verstorbenen nicht und das macht traurig.
Edda

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selber Brustkrebs im "grünen" Bereich, 50% Schwerbehinderung wegen Bandscheibenvorfall.


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 Betreff des Beitrags: Re: Trauer braucht Zeit
#20Ungelesener BeitragVerfasst: 17. Dez 2015, 06:28 
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Sie wollte auch nicht hören, wenn ich erzählte, dass mich das Chaos meines Mannes auch nicht erfreut, aber ich doch auch sehr froh darüber war, während unserer gesamten Ehe NIE einen Handwerker gebraucht zu haben, weil mein Mann einfach alles konnte....LG Moni


Liebe Moni -

ich staune immer wieder, wie sehr unsere Männer sich gleichen. Josef war auch einer, der alles konnte und selbst reparierte. In seiner Werkstatt herrscht im Gegensatz zu früher das reine Chaos. Nun geht gar nichts mehr - Hirn, Augen und Feingefühl der Hände sind so beeinträchtigt, dass nichts mehr gelingt. Er hat gerade vorgestern versucht, mein altes Bügeleisen zu reparieren - aber er kriegt es nicht mehr auf die Reihe.
Da ich das gleiche Bügeleisen noch einmal habe, und es auch noch funktioniert, habe ich die Kinder, denen ich es geliehen hatte, gebeten, sie sollen es mir bringen, und hab Josef getröstet, dass wir, wenn er es unbedingt hinkriegen will, beim Auseinandernehmen schrittweise fotografieren, damit wir nachverfolgen können, wohin und wie die Einzelteile wieder montiert werden müssen - und können dann die angefangene Reparatur zusammen machen.

Seine Trauer über sein Unvermögen und meine Trauer über seinen Jammer sind wie zwei Seiten einer Medaille, die ja auch unterschiedliche Bilder hat. Wir sind einander so verbunden, und wenn der Altersprozess mit all seinen Restriktionen fortschreitet, dann trauert man schon zu Lebzeiten des Partners. All meine Versuche, ihn zu trösten, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer weiter bergab geht. Irgendwann werden wir an einen Punkt kommen, wo wir nur mehr akzeptieren können und müssen...und diese Trauer wird die tiefste sein.

Es grüßt eine heute besonders traurige
Barbara

_________________
Barbara (69), pflegte meinen Mann(76), schwere angeborene Kyphoskoliose, 26 J. insulinpflichtiger Diabetes, St.p. OP/Hüftprothese nach Splitterbruch/Bein (2009) nicht lange belastbar, Normaldruck-Hydrocephalus/ohne Shunt, Neuropathie, Netzhaut-Membranen und Makula-Ödeme & - Degeneration, Alzheimer mit vasculärer Komponente/mittlere Stufe (Pflegestufe 4/Österreich), Schwindel unklarer Genese, Harninkontinenz, rechtes Knie dzt. mit Cortison behandelt, evtl. OP geplant (Implantat), Oktober 2016 Sturz/Hüftbruch/OP/Pneumonie, verstorben in Begleitung durch die Familie am 27.10.2016

Motti: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht!" & "Prinzip: Hoffnung!"


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#21Ungelesener BeitragVerfasst: 17. Dez 2015, 12:46 
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Liebe Barbara, ich kann JEDES Deiner Worte einfach nur unterstreichen - genauso war es bei uns auch.
Vielleicht ist es auch diese Generation der Männer, die alles konnte. Heute sieht das anders aus.
Und ja, ich war auch mit traurig, wenn mein Mann über seine wachsende Hilflosigkeit traurig - und manchmal auch sehr ärgerlich war.
Sag ich ja - war alles bei mir auch so - bist nicht alleine.
:gern:
Liebe Grüße von Moni

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Moni (JG 1954) pflegte Ehemann Hermann (JG 1936) Z.n.Schlaganfall 2004 nach absoluter Arrhythmie, von dem er sich aber gut erholte. Später kamen schwere Arthrose + extreme Schwerhörigkeit dazu. Ab Ende 2014 wurde er immer schwächer. Anf. Jan. 2015 TIA , als Folge PS 2. Am 22.03.15 wurde mir die Diagnose meines Mannes "inoperables Bronchialkarzinom" eröffnet, am 26.03.15 hab ich ihn vom Krankenhaus heimgeholt und am 27.03.15 ist er in seinem Bett friedlich eingeschlafen für immer.


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