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 Betreff des Beitrags: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#1Ungelesener BeitragVerfasst: 5. Dez 2008, 21:11 
Phase 1: Nicht-Wahrhabenwollen und Isolierung

Der Betroffene kann seine schwere, unheilbare Erkrankung innerlich noch nicht anerkennen. Er fordert neue Untersuchungen, glaubt an Verwechslungen oder beschuldigt die behandelnden Ärzte der Unfähigkeit. Oft werden Verordnungen nicht eingehalten, da sie nach Einschätzung des Patienten auf einer "falschen" Grundlage erstellt sind.

Die Verleugnung mildert den Schock. So gewinnt der Kranke Zeit, Kraft zu sammeln, um mit der Wahrheit fertig zu werden.

Phase 2: Zorn

Hat der Betroffene die tödliche Krankheit als solche anerkannt, wird er zornig und eifersüchtig auf die anderen, die leben dürfen ("Warum muss es mich treffen?"). Es kommt zu einer Flut negativ getönter Emotionen, die den Sterbenden mit sich fortreißen können. Dies äußert sich dann oft in "Kleinigkeiten" wie Unzufriedenheit mit dem Essen, dem Zimmer, den Mitpatienten, dem Pflegeteam und den Ärzten, in Soderwünschen, aber auch in heftigen Streitigkeiten mit der Familie und aggressiven Beschuldigungen.

Phase 3: Verhandeln

In dieser - meist kurzen - Phase wird der bevorstehende Tod als unvermeidbar anerkannt. Weiteres Verdrängen oder Ausweichen ist nicht mehr möglich, "der Körper sagt die Wahrheit". Die Sterbenden versuchen durch "Verhandeln" einen Aufschub, also mehr Lebenszeit, zu erreichen. Sie feilschen mit den Ärzten (z.B. um andere Therapien) und mit dem Team (Versprechen, sich anzupassen, an Therapien teilzunehmen). Durch ihre Bereitwilligkeit, einen Einsatz zu bringen, werden sie manchmal zu "zahmen", pflegeleichten Patienten.

Aber auch das Schicksal oder Gott werden zu (Handels-)Partnern im Kampf des Sterbenden um ein "Stückchen mehr Leben". Gelübde werden geleistet, Verpflichtungen abgelegt. Dem Inhalt solcher Versprechungen liegen oft Schuldgefühle zugrunde: Der Sterbende gelobt, etwas zu tun, was er als wichtig erkannt, aber noch nicht geleistet hat. Die Patienten sind in dieser Phase sehr verletzlich.

Phase 4: Depression

Ein neues Stadium wird erreicht, wenn der Patient jede Hoffnung aufgibt und in ein Meer von Traurigkeit versinkt. Es handelt sich bei dieser Reaktion aber nicht um eine Depression im engeren Sinn, die medikamentös angegangen werden muss. Daher ist der Ausdruck Phase der Traurigkeit zutreffender.

Den Sterbenden überwältigt das Gefühl eines entsetzlichen Verlustes. Er bereut zurückliegende Versäumnisse und trauert um all das, was er verlieren wird: Partner, Kinder und Freunde. Probleme, die er nicht mehr lösen kann (z.B. finanzielle Sorgen der Familie), erwecken Kummer, und begangene Fehler rufen Schuldgefühle hervor.

In dieser Zeit ist es dem Sterbenden möglich, sich umfassend mit der Realität seines Todes auseinanderzusetzen. Er verfasst z.B. ein Testament oder bringt Geschäfte zum Abschluß. Möglicherweise ändert sich seine persönliche Lebensphilosophie. Manchmal können jahrelang verhärtete Positionen noch verlassen werden: Z.B. ist die Aussöhnung mit einem verfeindeten Bruder eine Erfahrung, die auch den Angehörigen den Abschied erleichtert.

Die Depression kann in eine Phase vorbereitender Trauer münden, mit der sich der Sterbende auf den nahen Tod vorbereitet. Er wird stiller und zieht sich zurück. Dieser Rückzug kann für die Angehörigen schmerzlich sein, ist aber ein Zeichen dafür, dass es dem Patienten gelingt, sich von seinen Bindungen zu lösen und die Dinge der Welt hinter sich zu lassen.

Phase 5: Zustimmung

Die letzte Phase ist gekennzeichnet von Zustimmung und ruhiger Erwartung des Endes. Der Sterbende hat seinen Frieden mit der Welt gefunden und akzeptiert den nahenden Tod, auch wenn oft noch eine schwache Hoffnung aufrechterhalten wird, doch nicht sterben zu müssen. Dieses Stadium ist fast frei von Gefühlen. Der Patient ist müde und schwach, schläft viel und möchte meist nicht gestört werden. Er verständigt sich oft nur noch mit Gesten oder wenigen Worten.
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#2Ungelesener BeitragVerfasst: 8. Dez 2008, 02:51 
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Butzi,
es ist sehr schön beschrieben und oft läuft es so ab. Wir als Angehörige verdrängen viel öfters den Tod und können deshalb den Sterbenden nicht die Unterstützung geben, die sie sich wünschen. Keiner von uns sieht die Kämpfe und Nöte, die bis zum Sterben ausgefochten werden.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es einen geht, wenn man mit einer schweren Krankheit konfrontiert wird. Man ignoriert es, will sich nicht damit auseinander setzen, nicht mit anderen darüber sprechen. Die Gedanken und Gefühle die man in der Zeit hat, kann man eigentlich nicht seinen Mitmenschen mitteilen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder man spricht ehrlich mit den Angehörigen (die aber oft nicht bereit sind) darüber, oder man verschließt sich und kämpft alleine.
Ich habe auch immer sehr viele Fehler gemacht, habe aus Angst und Unsicherheit "Hilferufe" ignoriert, heute gehe ich viel offener mit dem "Thema" Krankheit und Tod um und kann mich in die Lage der Betroffenen hinneinversetzten.
Jeden "Sterbenden" ist zu wünschen, das er bei diesen Phasen nicht alleine ist.
Meine feste Überzeugung ist, das wir den Sterbenden helfen können, leichter unsere zu Welt zuverlassen. Auch würde es vielen erleichtern, wenn sie sich schon vorher mit den "Sterben" befasst hätten.
Es ist ein trauriges Thema, aber leider Realität.
Edda

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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#3Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Nov 2016, 10:27 
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In diesen Phasen finde ich das Leben meiner Mutter wieder.
Die Phase 2 daurte fast 1 Jahr. Schade dass ich es nicht erkannt habe. Diese Zeit war sehr anstrengend und gerne habe ich mich mal vor einem Besuch im Pfelgeheim gedrückt. Manchmal bin ich auch nach einer halben Stunde wieder gegangen weil das Genörgel unerträglich war. Nichts aber auch gar nichts konnte man recht machen. Kurz vor dem Tod meiner Mutter hatte ich ihr ein anderes Zimmer im Heim erkämpft weil sie es so wollte, mit ihrem Zimmer unzufrieden war. Dann war ich fassungslos dass nach dem Umzug das Genörgel noch schlimmer wurde.

Leider habe ich es versäumt mich rechtzeitig mit dem Tod auseinander zu setzen und mit der Art wie das passiert. Dass es so schleichend kommt, damit habe ich nicht gerechnet.
Ich habe es erst zwei Tage vorher erkannt das es zu Ende geht als die Apathie begann. Das kannte ich noch von den Großeltern.
Es wäre sinnvoll Menschen, die schwer kranke Angehörige haben auf diese Situation vorzubereiten. Ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte. Was sagt man einem Sterbenden? Was tut man?

Liebe Grüße Helga


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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#4Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Nov 2016, 11:21 
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Es wäre sinnvoll Menschen, die schwer kranke Angehörige haben auf diese Situation vorzubereiten. Ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte. Was sagt man einem Sterbenden? Was tut man?

Liebe Grüße Helga



Leider ist das Sterben in unserem Alltag eigentlich nicht "vorgesehen". Fast jeder drückt sich vor dem Gedanken daran und darüber sprechen ist erst recht schwierig.
Und ich glaube, dass auch Ärzte und Pflegepersonal damit Probleme haben, es den Angehörigen nahe zu bringen.

Als meine Mutter aus dem KKH entlassen werden sollte, drückte mir der behandelnde Stationsarzt (Psychotherapeut) nur die Schulter und ging.

Aber meine Mutter und ich haben in den letzten Jahren häufig über das Ende unseres Lebens gesprochen. Vielleicht auch deshalb, weil ich schon 2 Ehemänner und meine Mutter außer dem Ehemann auch die Tochter (also meine Schwester) viel zu früh gehen lassen mußte.

Es kann und wird wohl nie DEN richtigen Weg geben, um mit dem Ende unseres Lebens umzugehen.
Vielleicht wird es einmal für meine Enkelkinder einfacher sein, denn sie bekommen die letzte Lebenszeit ihrer Uroma (deshalb auch Tick-Tack) hautnah mit.

Es wäre eigentlich schön, wenn wir uns alle zu jeder Zeit darüber im Klaren wären, dass das Leben nun mal endlich ist.
Aber ich glaube, wir wollen es alle meistens doch ganz weit in den Hintergrund schieben.

_________________
Christina (01/53) Pflege seit 02/2012 Mutter (10/17) nach Darm-OP. Parkinson, Depressionen, z.T. Schizophrenie.
verstorben 12/2016
Mein Motto: Eine Träne die man lacht, braucht man nicht zu weinen.


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 Betreff des Beitrags: Re:
#5Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Nov 2016, 13:18 
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Keiner von uns sieht die Kämpfe und Nöte, die bis zum Sterben ausgefochten werden.



Also ich hatte im Kh den Übergang ins Koma als mein Sterben wähnte aber feststellte ich war noch nicht ganz gestorben glaubte ich man möchte mich durch Unterlassung von Hilfe mit meinem Sterben bestrafen weil ich nur die anderen mit meiner Hilflosigkeit belaste. Durch die plötzliche Komplettlähmung und der Unfähigkeit zu sprechen war ich innerlich nur noch auf Panik eingestellt.

Als ich die Äußerung hörte, dass weitere Untersuchungen aufgegeben werden sollen wertete ich dies als nutzlos mir zu helfen. Ich hörte noch die Meldung sie wären mit mir fertig und ich wurde vor die Tür gefahren und bei Dunkelheit und Kälte stehengelassen. Vermutlich am Klinikgang, damit ich zur Station zurückgebracht werden kann.

Einmal glaubte ich man schiebt mich in die Leichenaufbewahrungsfächer der Anatomie weil man mich für gestorben hielt. Bei totaler Dunkelheit sah ich deutlich ein kleines Kontrolllicht blinken. Es erwies sich im Nachhinein es muss sich um einen Aufwachraum gehandelt haben wobei beobachtet wurde ob ich auf das Blinken reagiere.

Als ich in der Nacht von draußen Martinshorn hörte glaubte ich es würde brennen und die Feuerwehr käme. Eine Person mit Atemmaske schaute nach mir und verlies mich, im gelähmten Zustand hilflos, was mich in dem Gedanken bestärkte ich wäre nicht wert gerettet zu werden. Das Martinshorn dürfte von einem Krankenwagen gekommen sein und die Person war anscheinend eine Pflegekraft mit Mundschutz.

Seit Tagen hatte ich schon nichts zu essen und trinken bekommen. Dies glaubte ich weil mir die Sonden Nahrung wegen fehlendem Geschmackserlebnis nicht bewusst war.

So war ich dauernd in Panik wegen der ungewohnten Hilflosigkeit und der Angst der Verweigerung mir in meiner Abhängigkeit zu helfen.

_________________
K u r t
-------------------------------------
Single mit Guillain-Barré-Syndrom mit beatmungspflichtiger Insuffizienz 11/07, hierdurch vestibuläre Läsionen und vestibulare Neuropathie, Hypästhenien, chronisches Schmerzsyndrom, Gangunsicherheit, Schwerbehindert G + B


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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#6Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Nov 2016, 23:10 
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Zitat:
Es wäre sinnvoll Menschen, die schwer kranke Angehörige haben auf diese Situation vorzubereiten. Ich wusste nicht wie ich damit umgehen sollte. Was sagt man einem Sterbenden? Was tut man?

Helga, wer sollte die Angehörigen auf den Tod vorbereiten? Die Ärzte können es jedenfalls nicht. Man muss sich selber helfen.
Zitat:
Es wäre eigentlich schön, wenn wir uns alle zu jeder Zeit darüber im Klaren wären, dass das Leben nun mal endlich ist.
Aber ich glaube, wir wollen es alle meistens doch ganz weit in den Hintergrund schieben.

Christina, wir wissen genau, das niemand unendlich lebt, aber wenn es soweit ist, würden wir es am liebsten sehr weit von uns schieben.
Kurt, Dein Bericht erinnert mich daran, was mir damals meine Mutter erzählte, als sie im Komma lag. Ich stelle es mir total schrecklich vor, zu hören, das man nichts mehr tun kann, die Ängste, das man mich sterben lässt.
Edda

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pflegte meinen Mann Axel, 57 J., Krebs, Pflegestufe II, verstorben am 22.7.2009,
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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#7Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Nov 2016, 23:54 
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Edda hat geschrieben:
Helga, wer sollte die Angehörigen auf den Tod vorbereiten? Die Ärzte können es jedenfalls nicht. Man muss sich selber helfen.


da halte ich gegen,

es kommt auf den Arzt an..

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in diesem Sinne

Susanne

Neben meiner Tätigkeit als Pflegedienstleitung in einem Pflegeheim war ich
der "Kümmerer" von Mac PS2 bds. Beinamputiert und und und...
den ich 2007 über dieses Forum kennengelernt habe. Mac ist am 14.1.2016 auf seine letzte Reise gegangen


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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#8Ungelesener BeitragVerfasst: 29. Nov 2016, 00:08 
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Stimmt Susanne, aber die wenigsten Ärzte können es. Axel hatte einen sehr guten HA, der sich wirklich in den letzten Tagen freiwillig täglich kümmerte, aber er konnte nicht offen mit mir darüber sprechen, das es schon die Sterbephase war.
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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#9Ungelesener BeitragVerfasst: 29. Nov 2016, 09:25 
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So ist es wohl normalerweise. Tod ist bei uns immer noch ein Schweigethema.Das will keiner hören.Ich glaube deswegen ist es für Menschen die bald sterben auch schwer dieses belastende Thema anzusprechen innerhalb der Familie.

Ich habe die Bücher von Kübler Ross gelesen und bekam ein ganz neues Verständnis zum Sterben.Ich hätte vieles anders machen können hätte ich die Bücher eher gelesen.

Mein Mann hat oft mit den Sterbenden aber auch später mit den Angehörigen lange Gespräche geführt. Es ging immer die Ängste aber auch den Tod nicht künstlich aufzuhalten weil es nur bedeutet dass man mit Medikamenten den Schmerz betäubt aber auch den Sterbenden.Das macht keinen Sinn.Loslassen ist allerdings auch schwer. Ärzte sollten darin besser geschult werden Sterbende und Angehörige zu unterstützen. Früher kam ein Pfarrer ins Haus.Heute ist das selten.Bei uns waren die Bestatter sehr einfühlsam und hatten Zeit für Gespräche.Der beste Ort ist doch immer noch das Hospitz denn da ist sterben natürlich und es gibt Menschen die zuhören.

Kurt, deine Beschreibung wärend des Komas ist sehr interessant. Mein Mann hat auch mal was erzählt.Inzwischen erinnert er sich gar nicht mehr oder verschwommen. Das muss sehr schlimm sein in dieser Welt wo man nicht weiss ist man hier oder dort oder auf dem Weg dahin.Sowas muss man auch verarbeiten.Ich fand die Pfleger waren gute Zuhörer trotz Stress. Sie erzählten auch von jemand der in einem Schwenkbett(?) lag.Das Bett wurde wie ein Boot auf dem Wasser bewegt um die Lunge zu belüften. Der Betroffene träumte im Koma er wäre auf See in einem Boot. Er hatte Todesangst.Vorstellbar oder?

_________________
Liebe Grüße Grizi


Grizi und Harald 60J. + 62 J.- Harald hatte eine Hirnblutung 07 erlitten, Hemiplegie rechts, Aphasie, Pflegestufe 3 ,hat gute Fortschritte in den letzten Jahren gemacht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#10Ungelesener BeitragVerfasst: 1. Dez 2016, 22:34 
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Ich habe mich vor ca. 30 Jahren, als die Hospizbewegung in England ihren Höhepunkt erreicht hat und bei uns noch so gut wie gar nicht präsent war, mit diesem Thema und auch den Büchern von Elisabeth-Kübler-Ross beschäftigt. Sterben und Tod sind beängstigende Themen, wenn wir - finde ich - keinen spirituellen Zugang dazu finden können. Ich habe meine Mutter, meine Schwiegermutter (sie war im Hospiz) und auch meine Schwester beim Sterben begleitet und bin zutiefst dankbar für diese Erfahrungen, obwohl ich den jeweiligen Verlust noch immer nicht wirklich verarbeitet habe. Ich habe die beteiligten Ärzte bis auf wenige Ausnahmen als sehr menschlich, gut ausgebildet und hilfreich erlebt. Sicher war der gute Hausarzt unserer Familie, der eben auch Hospizarzt ist, eine große Hilfe.
Meine Erfahrung ist, dass - wenn wir unsere Ängste anschauen, unsere Sinne und Herzen weit öffnen und uns einlassen auf diesen Abschied, wir tiefe, einzigartige Begegnungen bis zum Ende erleben dürfen.

Viele Grüße
Heidi

_________________
Heidi (1/56), vollzeit berufstätig,
pflege meinen Ehemann Bernd (8/41) mit Unterstützung seit 06/11 nach unfallbedingtem schwerem SHT bifrontal rechts, VP-Shunt, PG IV mit eingeschränkter Alltagskompetenz, SPK;


Vertrau' dem guten Fluss des Lebens


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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#11Ungelesener BeitragVerfasst: 1. Jan 2017, 14:08 
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Nun ja, ich denke dass die Vorberreitung auf den Tod über Infos durch das Pflegeheim laufen könnte, evtl. im Zusammenarbeit mit der Kirche.

Im Pflegeheim wurde zwar viel gemacht, wie Bastlen und Singen um die Bewohner zu unterhalten, aber der Tod wurde selbst dort weit weg geschoben, obwohl jede Woche eine andere Todesanzeig am schwarzen Brett hing.
Es ist nunmal so, dass das Pflegeheim die Endstation des Lebens ist.
Ich als Angehöriger war froh meine Mutter versorgt zu wissen. Habe sie besucht und zu Anfang auch Unternehmungen mit ihr gemacht.
Es war mir zwar bewusst dass meine Mutter nicht ewig leben wird, aber den Tod wollte ich einfach weit weg schieben. Habe immer damit gerechnet dass eines Morgens der Anruf kommt, dass meine Mutter nicht mehr aufgewacht ist. Ich habe mir die Welt einfach rosa gemalt und nicht im geringesten daran gedacht dass der Tod anstrend und schmerzhaft sein kann.

Meine Mutter hatte an ihren letzten Tagen sehr grossen Stress, das sah man an den Blutdurckwerten. Sie hatte sicher sehr grosse Angst. Zu Lebzeiten hatte meine Mutter immer schon große Ängste vor allem Möglichen, die sich teilweise auf mich übertragen haben und mir auch sehr zu schaffen machen.
Am letzten Tag fand die Diskussion wie es zu Ende gehen soll an ihrem Bett statt, ich hoffe sie hat es nicht mehr gehört. Zumindest war an diesem Tag keinerlei Reaktion in Form von Augen aufmachen oder Händedruck vorhanden.

Lg Helga


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 Betreff des Beitrags: Re: Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
#12Ungelesener BeitragVerfasst: 4. Apr 2017, 03:41 
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Hallo,

ich kenne Kübler-Ross, halte auch sehr viel von ihr, möchte aber dagegen halten, dass ihre Theorien bzw. Schemata nicht für alle gültig sind und mit Vorsicht übernommen werden sollten.
Es gibt Menschen, die sehen ihr eigenes Schicksal durchaus realistisch und sind sich bewusst, dass das Leben früher oder später endlich ist.

Mein Vater hat mir den Weg geebnet, indem er seine letzten Wünsche bis hin zum Begräbnis geäussert hat. Und ich werde versuchen, das zu erfüllen.
Mein Vater hat auch keine Angst vor dem Tod, obwohl es eine Enttöuschung für ihn ist, dass er sein Ziel 100 Jahre nicht mehr erreichen wird. Aber es ist auch seine Entscheidung, so nicht mehr weiterleben zu wollen, da er inzwischen bettlägerig geworden ist. Das müssen und sollten wir Angehörigen auch aktzeptieren.
Traurig und schwierig ist daran nur, wenn sich nahe Angehörige nicht mit dem bevorstehenden Tod befassen wollen, wie im Falle meiner Mutter. Sie schiebt das Thema ständig weit weg von sich und hat eine Höllenangst davor. Es nützt auch nichts, dass mein Vater ihr sagt, er selbst hat keine Angst vor dem Tod, er weiss, dass der irgendwann kommt.
Nun scheint er bereit zu sein dafür, aber meine Mutter ist es nicht.

Der Tod ist einfach noch zu oft ein Tabuthema und manche glauben, sie können ewig leben oder haben Glück, indem sie eines Tages einfach tot umfallen. Dass der Tod meistens aber mit langsam versagenden Organen zusammenhängt, was oft mit einer schwierigen und längeren Leidenszeit verbunden ist, schieben sie einfach weit weg von sich.

Umso erschreckender ist es dann meist für alte Ehepaare oder auch für nahe Angehörige, wenn es dann mal soweit ist.
Ich bin meinem Vater sehr dankbar, dass er da immer sehr offen und realistisch war. Leider hat meine Mutter das nie erkannt und immer von sich weggeschoben.

Mir hat das aber sehr geholfen, so kann ich nun vielleicht auch eine Stütze für meine Mutter sein.

Viele Grüsse, OOna


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