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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#25Ungelesener BeitragVerfasst: 28. Mai 2011, 14:09 
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Nelli schreibt

Zitat:
Wohngemeinschaften könnten eigenverantwortlich geführt werden. Ja man darf auch wirklich da wohnen wo man will, meistens eben zu Hause.


1. Mit seiner Regelungswut hat der Gesetzgeber es bisher verstanden, Aufbruch in eine menschlichere Zukunft – hier Wohngemeinschaften - zu erschweren, wenn nicht sogar zu verhindern. Die Kriterien für bürgerschaftliches Engagement sind mittlerweile so hoch gehängt, daß sie fast überall zum Scheitern führen. Solange diese Haltung bestehen bleibt, wird sich m. E. auch in Zukunft nicht viel zum Besseren ändern.

2. Wohngemeinschaften können wohl eigenverantwortlich geführt werden, solange eine solche Pflege, wie sie z. B. in der Gruppenpflege im Heim geleistet wird, nicht vorliegt. Schließlich bedeutet Schwerstpflege eine Belastung der ganzen Wohngemeinschaft, die nicht geschultert werden kann ohne professionelle Unterstützung in der Form, die der eines Heimes gleich kommt. Damit greift dann das Heimgesetz mit seinen extrem hohen Anforderungen.

Entweder wird die Wohngemeinschaft auf Grund der entstandenen Gegebenheiten zu einem Heim, oder der oder die Betroffenen müssen in ein Heim wechseln und die Wohngemeinschaft wird mit Austauschbewohnern wieder aufgefüllt. Beides bringt Konflikte mit sich, welche die Beteiligten zu schwierigen Entscheidungen zwingt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#26Ungelesener BeitragVerfasst: 22. Jul 2011, 14:17 
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Ach herrje!!
Nun muß ich doch nochmal meinen Senf dazugeben:
Johannes Johannes, is ja schlimm mit Dir :girlnein:
Schau Dich bitte mal auf den von mir verlinkten Seiten genau um dann wird vielleicht Dein Verständnis für den 23jährigen Autisten größer, der eben partout nicht in ein Heim will, sondern- möglich übers PB- jetzt studieren kann. Oder vielleicht auch die Geschwister mit Down- Syndrom, die nun endlich ihre eigene Wohnung haben...raus und weg vom Heim!! :girlhuepfen:
Und ganz wichtig: mir ist egal ob Du oder irgendwer orangebekuttet, zimbelklimbernd und Hare-Krishna singend durch die Städte zieht, ob Du mit Kriegsbemalung dem Manitu huldigst- Christliche Ausrichtungen oder keltische Wahrnehmungen hast. Es ist mir egal ob Du Hubbard- Anhänger bist, den schwangeren Hamster Deines Nachbarn gut findest oder den Wachturm verteilst. Es is mir sowas von wurscht wer in wessen Namen irgendwas tut oder eben auch nicht. Es ist egal! Es reicht ein Mensch zu sein- und das ist schon schwer genug- und über den eigenen Gartenzaun zu schauen- auch wenns schwer fällt.

Wenn jeder an sich selber denkt, ist auch an jeden gedacht! Klingt provokativ- nicht wahr? Aber genau an dem Punkt spielt sich was ganz wichtiges ab- nur wenn ich Kraft genug für mich selbst habe und Grenzen ziehen kann dann kann ich helfen! Und das tu ich auch und zwar nicht weil mir das jemand sagt oder ich so erzogen worden oder Bücher mir das raten.
Uneigennützig natürlich. Ohne eine Infrastruktur eines Heimes -zum Beispiel. Also ohne jedweden materiellen Interesses.
Also ich weiß nicht....
Ich hab irgendwie gar nix davon, daß ich das PB so wichtig finde. Oder doch? :girllachen:
Ich freu mich für jeden von Herzen der in den Genuß vom PB kommen darf.
Ich freu mich für jede Familie die durch das PB zusammenbleiben und ein gemeinsames Leben führen kann.
Ich freu mich für jeden der durch das PB neuen Lebensmut erhält und sein Leben endlich in die eigenen Hände nehmen kann...
ach ich glaub ich hab so viel davon...

Ich verabschiede mich hiermit aus diesem Thread-
alles Liebe von Nelli

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ich pflege meine Tochter (geb.1988) seit Autounfall 2008 zu Hause

Drei im Tunnel:
Optimist : Da! Schau mal! Da ist Licht am Ende des Tunnels !!
Pessimist : Ja genau.... Das ist ja auch der Zug der uns entgegenkommt...
Realist : ... und wenn wir nicht bald unseren Hintern bewegen dann überfährt der uns.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#27Ungelesener BeitragVerfasst: 22. Jul 2011, 20:29 
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:dfb02: Was war das jetzt?

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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#28Ungelesener BeitragVerfasst: 23. Jul 2011, 10:13 
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eigentlich wollte ich mich hier nicht "einmischen", da es um fragen ging die sich für mich nicht stellen. aber jetzt ist der zeitpunkt da, zu dem ich es doch tue.

johannes hat geschrieben:
.................................
Hierzu bedarf es m. E. tatsächlich des göttlichen Elementes, das sagt: Nimm dich des Schwächeren an, weil Gott dich angenommen hat! Wir werden also gerufen, etwas zu wirken, was wir selbst erfahren haben. Ohne diese eigene Erfahrung fehlt uns der Zugang zu solchem Denken und Handeln.

Für mich ist also ein dahindämmern keine Frage des Pflegeheimes, sondern eine Frage von zwischenmenschlichen Beziehungen.


es steht doch wohl gar nicht zur debatte, dass beides seine daseinsberechtigung hat - die häusliche pflege und auch die pflege in einem heim.

aber es ist auch keine frage, dass die "zwischenmenschlichen beziehungen" im häuslichen bereich einen höheren stellenwert haben (können) als dies je in einem heim möglich sein wird.

bedeutet also unterm strich für mich: wenn die pflege zuhause gewährleistet ist - ist diese immer einem heimaufenthalt vorzuziehen. weil eben nur durch die persönlichen aspekte eine 24 stunden betreuung - ohne feierabend der pflege- bzw. bezugsperson - aber "mit herzblut" derselben zum wohl des kranken - machbar ist.

wenn die pflege zuhause - egal aus welchem grund - nicht den erfordernissen entsprechend gemacht werden kann (oder gemacht wird), ist ein heimaufenthalt vielleicht die bessere lösung für beide seiten. aber es wird hier immer an "zwischenmenschlichen beziehungen" wie im häuslichen bereich mangeln. das kann man in einem heim nicht bieten, da die beruflich pflegenden ja auch irgendwann einmal feierabend haben, viele personen betreuen müssen und auch noch ihr eigenes leben leben müssen.

für die zuhause pflegenden ist das eigene leben aber die pflege ihrer lieben - auch rund um die uhr.
und auch jedem kranken menschen steht ein eigenes leben zu. wie sich das regeln lässt - durch PB oder sonstwie, sollte doch, soweit es möglich ist, durch den kranken oder dessen vertraute personen bestimmt werden.

aber diese selbstbestimmung ist nur möglich wenn alle seiten miteinander - und nicht gegeneinander - an einem strang ziehen und auch die andere meinung gelten lassen. das beharren auf der eigenen meinung und das totale ausgrenzen der anderen kostet nur kraft und säät zwietracht auf kosten unserer kranken und ist auch gegen das "göttliche element" - egal ob man dran glaubt oder nicht.

_________________
liebe grüße elisabeth
Elisabeth (05/48) + Franz (01/31),
Demenz seit 1997, Diagn. Alzheimer 2002, PS III, geh-+stehunfähig, kein freies Sitzen, Sprachzerfall, oft kein Erkennen mehr, Schluckstörungen, ungenüg. Nahrungsaufnahme, PEG, Parkinson, Diabetes II, Lactoseintoleranz, kompl. Inkontinenz, keine Psychopharmaka


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#29Ungelesener BeitragVerfasst: 23. Jul 2011, 11:26 
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johannes hat geschrieben:
Damit wird die Versorgung einer Einzelperson im häuslichen Umfeld mehr als doppelt so teuer, wie die gleiche Versorgung im Pflegeheim, das u. a. wegen seiner hohen Preise in der Gesellschaft gescholten wird.

Wer so einen Satz schreibt kennt die Pflege im häuslichen Umfeld nicht ! Den da steht das Wort "gleich" und das Pflegeheim möchte ich sehen bei dem es zutrifft.
Die Zahlen die für Pflege im häuslichen Bereich von Johannes zitiert wurden sind theoretisch. So wie es theoretisch ist, dass alle Menschen zu Hause gepflegt werden. Klar wenn ich 24 Stunden jemanden bezahlen muss, dafür die Wohnung stellen muss und alles von examinierten Fachkräften machen lasse komme ich vielleicht zu den Zahlen.

Meine Frau wurde zu Hause gepflegt. Sie war mal drei Wochen un einer Kurzzeitpfege das Ergebniss war, dass sie da nie wieder hin wollte.

Wir konnten dank dem Arbeitgebermodel und der Rente meiner Frau sie zu Hause sehr gut versorgen. Ich habe mit der Pflege meiner Frau auch keinen Gewinn erwirtschaftet habe aber auch nicht die Bereitschaftsstunden und meine Arbeitsstunden berechnet.

Ein Pflegeheime machen Gewinne und das ist meines Erachtens der deutlichste Unterschied !

Achim

_________________
Achim (09/61) pflegte meine Frau (01/63 verstorben 05/11) chronisch progrediente MS seit 90 bekannt, Pflegestufe III ab 97 pflegte zu Hause.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#30Ungelesener BeitragVerfasst: 9. Feb 2014, 15:06 
Wenn es so läuft wie vorgesehen, dann kann Kerstin als Arbeitgeberin einen Stundenlohn von ca 12 Euro anbieten. Ich denke, das ist durchaus konkurenzfähig gegenüber anderen Beschäftigungsmöglichkeiten. Man braucht ja in erster Linie viel Einfühlungsvermögen und den Willen, sich auf seinen Arbeitgeber einzulassen. Alles, was mit Pflege zu tun hat, habe ich als "Laie" ja auch lernen können.


Als Fachkraft oder als Helferin?
Helferin viel, Fachkraft wenig!

Suchen Sie noch Kräfte?


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#31Ungelesener BeitragVerfasst: 9. Feb 2014, 18:44 
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@jobo
Nun, ich kenne schon die häusliche Pflege aus eigener Erfahrung. Die habe ich gemacht, bevor ich überhaupt Altenpfleger wurde.
Code:
Denn da steht das Wort "gleich" und das Pflegeheim möchte ich sehen bei dem es zutrifft.

Du hast Recht. Die Versorgung im Heim muss den gesetzlichen Regeln entsprechen, sonst gibt's was auf die Mütze. Das wird im der häuslichen Umgebung nicht gefordert. Somit stimmt meine Aussage hierauf bezogen nicht.
Code:
Die Zahlen die für Pflege im häuslichen Bereich von Johannes zitiert wurden sind theoretisch.

Nun ja, wenn das Sozialamt vom Gericht verdonnert wird, in einem Fall - ich glaub das war in NRW - rund 10.000 € PB zu bezahlen, war das für die gewiss nicht theoretisch. Das musste wohl ganz real akzeptiert werden.

Ich habe auch nicht geschrieben, dass alle Menschen zu Hause gepflegt werden. In diesem Forum geht es ausschließlich um die ca. 2.000.000 Pflegebedürftigen, die tatsächlich zu Hause gepflegt werden und nicht um die 600.000, die in Heimen gepflegt werden. Ich halte mich nicht gern mit Theorien auf, weil das wenig bis nichts bringt.

Ist es nicht so, dass die meisten Pflegebedürftigen nicht des Geldes wegen zu Hause gepflegt werden, sondern weil es eine originär familiäre Aufgabe war und von vielen noch so gesehen wird - für die es regelmäßig kein PB gibt? Ein solches ist tatsächlich nur in Ausnahmefällen realisierbar, wie ich weiter oben schon schrieb. Ich denke, das ist wie mit Kindern. Die Erziehung von Kindern ist auch eine originär familiäre Aufgabe, für die es kein Geld gibt. Wollen wir wirklich den Gedanken weiterspinnen, dass jeder, der eine - eigentliche - Selbstverständlichkeit verrichtet, dafür Geld zu bekommen hat? Es ist schade, dass sich alles immer nur und wieder um Geld dreht.
Code:
Wir konnten dank dem Arbeitgebermodel und der Rente meiner Frau sie zu Hause sehr gut versorgen. ... Ein Pflegeheim macht Gewinne und das ist meines Erachtens der deutlichste Unterschied!


Wovon sprichst Du bei dem Arbeitgebermodell? Wer ist der Arbeitgeber? - Aus Deinen Ausführungen entnehme ich, Deine Frau. Werden wir also mal konkret:

Deine Frau als Dein Arbeitgeber beschäftigt Dich als Arbeitnehmer für sich. So weit, so gut. Nun ist es bei dem Unternehmen - das Ihr beide seid- so, dass in diesem Falle die Mittel des Arbeitgebers die Rente Deiner Frau ist, mit der sie Dich bezahlt. Doch halt! Das stimmt ja gar nicht! Die Mittel des Arbeitgebers - also Deiner Frau - reichen ja gar nicht aus, um alle Sachkosten und Deinen Lohn zu finanzieren. Monat für Monat erwirtschaftet dieses Unternehmen Defizite. Wie nennt man ein Unternehmen, dass wissentlich immer nur Defizite erwirtschaftet?

Ja, dieses Unternehmen greift auf Mittel zurück, die es nicht erwirtschaftet hat. Es kommt ein weiterer Finanzier ins Boot, der Staat - um es klar auszusprechen, fremde Menschen, die keinerlei persönlichen Bezug zu Eurer Firma haben, sondern in die allgemeinen Sozialkassen ihre Abgaben leisten. Nun nimmst Du bei diesen fremden Menschen keinen Kredit auf, den Du irgendwann zurück zahlst, sondern nimmst staatlich verordnete Spenden Fremder an (der Staat zwingt seine Bürger, Steuern und Sozialabgaben zu zahlen), sie sind Euer beider Zugewinn = Gewinn. Wo ist also der Unterschied zu einem Pflegeheim? Selbstverständlich hat der Staat hier einen Rechtsanspruch formuliert, sonst würden wohl die meisten Fremden nicht bereitwillig ihr sauer verdientes Geld für Euch zur Verfügung stellen. So kann sich der Staat mit dem Attribut "sozial" schmücken.

Wenn Du also einmal ganz ehrlich bist und Deine Nachbarn vor die Wahl stellst, Dir ca. 1.500 € oder 6.000 € zur Verfügung zu stellen mit dem Wissen, sie nie wieder zu sehen - was glaubst Du, werden sie wählen?

Genau darauf bin ich eingegangen, als ich gefragt wurde, was ich vom persönlichen Butget halte. Im Prinzip ist es gut, es ist auch für Einzelne realisierbar, aber auf alle angewandt geht realistischer Weise eben nicht. Es gibt also einige wenige Profiteure und viele Verlierer - auch bei PB.

Damit komme ich zurück auf eine für mich wesentliche Aussage, die ich früher schon gemacht habe
Code:
 Nimm dich des Schwächeren an, weil Gott dich angenommen hat! Wir werden also gerufen, etwas zu wirken, was wir selbst erfahren haben.

Das kann kein Geld der Welt wett machen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#32Ungelesener BeitragVerfasst: 9. Feb 2014, 21:12 
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Hallo Johannes,

Wovon sprichst Du bei dem Arbeitgebermodell? Wer ist der Arbeitgeber? - Aus Deinen Ausführungen entnehme ich, Deine Frau. Werden wir also mal konkret:
...
Es kommt ein weiterer Finanzier ins Boot, der Staat - um es klar auszusprechen, fremde Menschen, die keinerlei persönlichen Bezug zu Eurer Firma haben, sondern in die allgemeinen Sozialkassen ihre Abgaben leisten. Nun nimmst Du bei diesen fremden Menschen keinen Kredit auf, den Du irgendwann zurück zahlst, sondern nimmst staatlich verordnete Spenden Fremder an (der Staat zwingt seine Bürger, Steuern und Sozialabgaben zu zahlen), sie sind Euer beider Zugewinn = Gewinn. Wo ist also der Unterschied zu einem Pflegeheim? Selbstverständlich hat der Staat hier einen Rechtsanspruch formuliert, sonst würden wohl die meisten Fremden nicht bereitwillig ihr sauer verdientes Geld für Euch zur Verfügung stellen. So kann sich der Staat mit dem Attribut "sozial" schmücken.


Das nennt man gemeinhin Solidargemeinschaft und soziales Netz. Es ist das Prinzip, dass viele zu Leistungen beitragen, die nicht alle benötigen und das niemand in Notlagen "hängen" gelassen wird. Auch du nimmst keinen Kredit bei irgend einem Steuerzahler auf, wenn deine Medikament mehr als deine Krankenkassenbeiträge kosten oder wenn du die Straßenbahn benutzt, um ins Theater zu fahren. Der Bau der Straßenbahn, der Unterhalt des Theaters, all das hat mehr gekostet, als du als Einzelner Nutzer an Steuergeldern aufgebracht hast. Was ist mit den Fördergeldern, die du vielleicht für den (Um)Bau deines hauses erhalten hast? Die Eingliederungshilfen, wenn du Langzeitarbeitslose beschäftigst? (die ihre Sozialleistungen richtigerweise auch nicht zurückzahlen müssen). Wir zahlen kein allgemeines Schulgeld, keine Extra-Polizeigebühren, genießen niedrigen Eintritt für's Schwimmbad und (wenn überhaupt) den Stadtpark. Von den Steuerngeldern werden zahllose sinnvolle und leider auch sinnlose Dinge finanziert (schau ruhig mal in das jählrich erscheinende Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler)

Es geht also gar nicht darum, was etwas kostet, sondern was die Gesellschaft - also wir alle - bereit sind, zu finanzieren und was nicht.

Wenn Du also einmal ganz ehrlich bist und Deine Nachbarn vor die Wahl stellst, Dir ca. 1.500 € oder 6.000 € zur Verfügung zu stellen mit dem Wissen, sie nie wieder zu sehen - was glaubst Du, werden sie wählen?


Dann auch mal ganz ehrlich - und Butter bei die Fische:

Was darf der "Zugewinn" Menschenwürde kosten? Welches Preisschild klebst du an das Recht eines behinderten Menschen, so zu leben wie alle gesunden Menschen es ganz selbstverständlich ohne Überlegung tun, z.B.dort zu leben, wo er möchte, sich von den Menschen versorgen zu lassen, die ihn kennen und beständig da sind, wenn es denn schon sein muss?

Ist Menschenwürde für dich eine Frage des Geldes? Wer nur grad so krank ist, dass er mit den zugebilligten Geldern "auskommt", der darf sie leben? Wer das Pech hat, größeren Hilfs- und Unterstützungsbedarf zun haben, der muss auf der Stufe eines Strafgefangenen leben - nur ohne Urteil und oihne Aussicht auf Entlassung. Das findest du zu hart und ungerecht den Heimen gegenüber? Dann überlege mal: ein Strafgefangener muss das essen, was man ihm vorsetzt, kann dann seine Körperpflege erledigen, wenn die Zeit dafür angesetzt wird, bekommt nach Plan Zeit für frische Luft, Schlafenszeiten richten sich nach den Anstaltsvorgaben - und ab und zu kommt Besuch und bringt einen Hauch "echten" Lebens.

Also, ab welcher Summe - ganz konkret - muss ein Kranker das eben ertragen, weil er sonst "zu teuer" ist?

Grüße

Maria

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Ich (08/50) kümmerte mich um meine Tochter (01/72, verstorben 05/14, MS, Pflegestufe 3), die mit 24 Stunden-Assistenz finanziert durch ein persönlichen Budget nach dem Arbeitgebermodell in ihrer eigenen Wohnung lebte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#33Ungelesener BeitragVerfasst: 9. Feb 2014, 22:06 
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In deiner Ausführung zu Arbeitgebermodell steckt ein großer Fehler, den ich bewusst in diesem neuen >Beitrag berichtigen möchte. Die Frage nach dem Preis, den du gerade noch bereit bist, für Menschenwürde auszugeben, sollte nicht darim untergehen.

Wovon sprichst Du bei dem Arbeitgebermodell? Wer ist der Arbeitgeber? - Aus Deinen Ausführungen entnehme ich, Deine Frau. Werden wir also mal konkret:

Deine Frau als Dein Arbeitgeber beschäftigt Dich als Arbeitnehmer für sich. So weit, so gut. Nun ist es bei dem Unternehmen - das Ihr beide seid- so, dass in diesem Falle die Mittel des Arbeitgebers die Rente Deiner Frau ist, mit der sie Dich bezahlt. Doch halt! Das stimmt ja gar nicht! Die Mittel des Arbeitgebers - also Deiner Frau - reichen ja gar nicht aus, um alle Sachkosten und Deinen Lohn zu finanzieren. ...

Ja, dieses Unternehmen greift auf Mittel zurück, die es nicht erwirtschaftet hat. Es kommt ein weiterer Finanzier ins Boot, der Staat - um es klar auszusprechen, fremde Menschen, die keinerlei persönlichen Bezug zu Eurer Firma haben, sondern in die allgemeinen Sozialkassen ihre Abgaben leisten. Nun nimmst Du bei diesen fremden Menschen keinen Kredit auf, den Du irgendwann zurück zahlst, sondern nimmst staatlich verordnete Spenden Fremder an (der Staat zwingt seine Bürger, Steuern und Sozialabgaben zu zahlen), sie sind Euer beider Zugewinn = Gewinn. Wo ist also der Unterschied zu einem Pflegeheim? [/b]


Wenn man das so liest, dann klingt das wirklich unverschämt: da kassiert doch tatsächlich jemand Steuergelder, um dann Lohn für Pflege = Gewinn einzustecken. Das muss den Nachbarn, den du nach 1.500 versa 6.000 Euro als "Spende" für ein persönliches Budget fragst auf die Palme bringen, vor allen Dingen dann, wenn er vielleicht seine Oma "kostenlos" versorgt.

Es ist aber so, dass in der Tat die behinderte Ehefrau Arbeitgeberin ist, den eigenen Ehemann aber nicht einstellen darf. Wenn der seine Frau vielleicht nachts versorgt, tut er das weiterhin ohne Kosten für die Allgemeinheit. Der "Zugewinn" besteht nicht in Geld, sondern einzig und allein darin, dass das Paar weiter gemeinsam als Paar im eigenen Haushalt leben kann ohne dass der pflegende Partner selbst unter der Last zusammenbricht und krank wird.

Die Gelder aus dem PB werden an angestellte Pflegekräft weitergegeben. Dadurch wird ein Teil des zur Verfügung gestellten Geldes ein großer Teil einfach nur an staatliche Institutionen "durchgereicht": an das Finanzamt in Form der Steuern der Assistenten, an die Kranken- und Pflegekassen und an die Rentenversicherung. Die Assistenz bietet vielleicht einer jungen Frau oder einem jungen Mann eine Beschäftigungsmöglichkeit, durch die sie/er kein hart4 mehr benötigt (bei uns so gewesen) - Geld, das eine andere staatliche Stelle nicht mehr ausgeben muss.

All das ist im Pflegeheim auch so, nur dort wird natürlich noch mehr eingerechnet: Hotelkosten, Verwaltungspauschalen und selbstverständlich auch Gewinn. Geringe Verwaltungsausgaben braucht auch ein privater Budgetarbeitgeber, der sich ja in aller Regel vorher nicht mit Lohnabrechnungen und ähnlichem beschäftigt hat. Dass oft noch mehr gebraucht wird - nämlich doch professionelle Unterstützung - liegt an den großen Steinen, die Behörden in den Weg rollen und wäre eigentlich nicht nötig. Wenn ich richtig informiert bin, rechnet ein Pflegedienst mit ca 30,00 Kosten pro Stunde. Beim PB reicht wesentlich weniger als die Hälfte einschließlich Arbeitgeberanteile und Kosten.

Gewinn - der selbstverständlich bei einem Pflegeheimbetreiber sein muss - entsteht beim persönlichen Budget kein Cent

Gruß

Maria

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Ich (08/50) kümmerte mich um meine Tochter (01/72, verstorben 05/14, MS, Pflegestufe 3), die mit 24 Stunden-Assistenz finanziert durch ein persönlichen Budget nach dem Arbeitgebermodell in ihrer eigenen Wohnung lebte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#34Ungelesener BeitragVerfasst: 9. Feb 2014, 23:40 
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was muss ich denn hier lesen ?

Einen Johannes der mit Unwissenheit, Sozialneid und Intoleranz nur so um sich wirft.
Danke Maria dass du das meiste schon beantwortet hast. :-)

Ich möchte nur kurz hinzufügen dass es hier um Menschenrechte geht.
Jeder Mensch hat das Recht seinen Wohnort frei zu wählen.
Und wenn die Versorgung Zuhause 20.000 Euro kostet, dann ist das so.
Und wenn das vom Staat finanziert werden muss, dann ist das so.
Da gibt es KEINEN Spielraum für Diskussionen.

Grüsse
Ingo

_________________
Ingo ( 02/68 ) pflege meine Frau Christine ( 06/69 ), Hirnblutung, Hirnstammkompression, Hirngewebeentfernung und Hemicraniektomie nach Schlaganfall im Juni 2008, mit anschliessendem Wachkoma, Aphasie, Tetraplegie, Dysphagie, LP-Shunt, PEG, Pflegestufe 3+, pflege seit Mai 2009 zu Hause (kein Pflegedienst)
Mein Baby gehört zu mir, ist das klar ?
--------------------------
Versuche nicht Dinge zu ändern die Du nicht ändern kannst
sondern ändere lieber die die Du ändern kannst.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#35Ungelesener BeitragVerfasst: 10. Feb 2014, 08:54 
Hallo, Johannes,

Deine negative Einstellung wird Dir nie ein positives Leben bescheren!


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 Betreff des Beitrags: Re: Was hältst Du vom persönlichen Budget?
#36Ungelesener BeitragVerfasst: 11. Feb 2014, 09:21 
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Ich denke, der einzige Fehler beim persönlichen Budget ist, dass es keine Regelung gibt, dass man die Pflege durch Angehörige bezahlt.

Hätte mein Mann z.B. 2.000,-- € für die Pflege seiner Mutter bekommen, hätte er seinen Job aufgegeben und das gemacht.

Von 235,-- € Pflegegeld könnte er aber nicht leben.

Also bleibt nur: häusliche Pflege bis "Geld alle" und dann Heim auf Kosten der Solidargemeinschaft.

Da kann man nur hoffen, dass man stirbt bevor das Geld alle ist.

_________________
Kümmerte mich um Schwiegermutter (*1929-2015) mit Demenz und arbeite Teilzeit in einem kleinen Pflegeheim.


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