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 Betreff des Beitrags: demente Seelen sind so zerbrechlich
#1Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Jan 2017, 08:26 
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Hallo Ihr Lieben,

ich betreue derzeit meinen leicht dementen Schwiegervater, da seine Frau derzeit im Krankenhaus liegt. Wir wohnen in getrennten Wohnungen, aber im selben Haus und haben uns inzwischen gut eingespielt, er freut sich, dass er viel selber schafft, wir lachen viel gemeinsam und vor allem bekommt er von mir viel Lob und gibt mir Dankbarkeit zurück.

Vorgestern nun gab es einen kleinen Vorfall, der aber große Auswirkungen hat und den ich euch gerne schildern möchte, einfach um zu zeigen, wie zerbrechlich demente Seelen sind und wie leicht eine Kleinigkeit sie umhauen kann, was dann unter Umständen lange nachwirkt.

Mein Schwiegervater hat eine Herrenumhängetasche mit einem großen Mittelfach – das in der Regel leer ist – und beidseitig je drei Fächer mit Reißverschlüssen. Vor Kopf ist noch ein kleines Handyfach, indem immer seine Lesebrille ist.
Diese Tasche ist ihm heilig, er lässt sich viel helfen, aber an diese Tasche darf keiner ran. Er übt mit ihr und packt sie immer wieder neu. Ein Fach ist für seinen Busausweis (Behindertenschein), ein Fach für sein Kleingeldportemonnaie...... Nun wollte Schwiegermutter uns aus dem Krankenhaus ihren Rasierapparat schon mit nach Hause geben und hat es gut gemeint, damit er im Bus nicht noch einen zusätzlichen Beutel hat, solle er den doch in die Tasche tun. Er hat derzeit die rechte Hand nach einer Verbrennung verbunden und ist dadurch natürlich zusätzlich gehandicapt und konnte nun den entsprechenden Reißverschluss für das Mittelfach nicht finden. Schwiegermutter greift ein, nimmt ihm die Tasche weg und findet den auch nicht was zu einem ersten Disput führt. Er ist aufgebracht, geht zur Toilette und findet das Zimmer nicht wieder (fast gegenüber der Toilette). Später in der Apotheke bekommt er dann sein Portemonnaie nicht raus, weil die Tasche ja jetzt dicker ist und damit das Fach enger. Zu Hause explodiert er dann und auch am nächsten Morgen ist er noch wütend auf seine Frau, hat sogar einen kleinen Schwächeanfall und lässt sie das auch beim Krankenbesuch spüren...
Kleine Ursache – große Wirkung.

Und nein, wir können solche Dinge nicht immer vermeiden. Schwiegermutter geht in der Regel sehr behutsam und liebevoll mit ihm um, dafür, dass sie nie mit Demenz zu tun hatte, macht sie das toll.

Bei meiner Arbeit mit Dementen im Altenheim habe ich mich oft gefragt, was wohl der Auslöser war, warum jemand an manchen Tagen so aufgebracht war. So eine vermeindliche Kleinigkeit lässt sich ja im Nachhinein normaler Weise nicht feststellen.

Habt einen guten Tag.

Lieben Gruß

Birgitt

_________________
Jahrgang 1960, über 20 Jahre MA im sozialen Dienst in einem Altenpflegeheim mit hohem Demenzanteil, jetzt ehrenamtlich in einem Altenwohnheim; Ehemann cronisch krank, unterstütze die Schwiegereltern, Schwiegervater dement


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 Betreff des Beitrags: Re: demente Seelen sind so zerbrechlich
#2Ungelesener BeitragVerfasst: 26. Jan 2017, 21:16 
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Liebe Birgitt,
durch hast total recht. Demente sind sehr empfindsam, wenn etwas anders ist. Auch brauchen sie viel Lob, auch wenn nicht alles perfekt ist.
Bevor ich mich bei Schwiegermutter über Demenz informiert hatte, habe ich viele Fehler gemacht, dadurch war sie oft sehr aggressiv. Nachdem ich auf sie eingegangen war, wurde sie pflegeleicht.
Edda

_________________
pflegte meinen Mann Axel, 57 J., Krebs, Pflegestufe II, verstorben am 22.7.2009,
selber Brustkrebs im "grünen" Bereich, 50% Schwerbehinderung wegen Bandscheibenvorfall.


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